Sie haben so viel im Leben vor, so viele Träume und Wünsche. Sie sind für etwas Großes geschaffen, dass versucht zumindest Ihre Mutter Ihnen weiszumachen. Irgendwann kommt der Punkt bei dem Sie sich fragen:
Wie gründe ich meine eigene Religion?
Natürlich sollte diese Religion ordentlich konzipiert sein. In diesem Post erfahren Sie die Grundlagen zur Gründung einer eigenen mehr oder weniger geilen Religion. Natürlich sind diese Schritte stark vereinfacht dargestellt, enthalten jedoch genug Grundwissen für den Start Ihrer Agenda. Befolgen Sie diese Schritte und werden auch Sie religiöser Anführer Ihrer Lebensphilosophie.
WIE GRÜNDEN SIE IHRE EIGENE RELIGION?
Es gibt zwei unterschiedliche Strategien zur Religionserschaffung. Einerseits gibt es die Religionen, die aus den Bedürfnissen der Gesellschaft entspringen. So sind viele polytheistische Religionen entstanden.
Einen ganz anderen Weg schlagen Religionen ein, die auf eine andere Religion basieren, jedoch revolutionäre Neuerungen beinhalten. Viele von Ihnen sind monotheistisch geprägt. So kann als Beispiel das Christentum angeführt werden, welches sich am Judentum anlehnt.
Selbstverständlich müssen Sie sich nicht diesen Mustern folgen. Es ist Ihnen komplett freigestellt, wie Sie die Wurzeln Ihrer Religion begründen wollen, aber wundern Sie sich nicht, wenn am Ende nur Scheiße herauskommt.
SCHRITT 1: Machen Sie sich deutlich welche Funktionen Religion für den Menschen vollbringt.
Die äußerst erfolgreiche religiöse Bewegung Islamischer Staat rekrutiert insbesondere alleinstehende junge Männer mit Migrationshintergrund. Der Mensch ist ein inhärent soziales Wesen – Religion bietet eben diese Gemeinschaft. Der Inhalt der Lehren ist in diesen Fällen zweitrangig.
Verantwortung ist eine Verpflichtung, die auf Dauer lästig werden kann. Nutzen Sie diese Gelegenheit für sich: Machen Sie sich bewusst, dass Menschen in bestimmten Maßen jemanden in ihrem Leben wollen, der ihnen sagt, was sie anziehen oder essen sollen.
TBC
SCHRITT 2: Erfinden Sie (wenn nötig) Weisheiten oder Regeln, die unbedingt befolgt werden müssen.
Menschliche Konstruktionen sind kontingent, das heißt, dass sie leicht hinterfragbar sind und ständig Kritiken standhalten müssen. Religion bieten ein Werkzeug, von welchem Sie immer Gebrauch machen sollten: die Verheiligung.
Zum Beispiel sind Menschenrechte in unserer Gesellschaft verheiligt. Mit der Verheiligung können Sie jede Art von Regel jede Art von Objekt in das Reich des Unkritisierbaren stellen. Dazu müssen Sie lediglich deklarieren, dass dieser Sachverhalt heilig ist und jede Art der Hinterfragung mit Empörung begegnen.
Natürlich gibt es immer Objekte, die einen besonders hohen Stellenwert in den Augen der Religion besitzen. Eine heilige Schrift ist ein berühmtes Beispiel – es können aber auch andere Kultgegenstände benutzt werden.
SCHRITT 3: Erfinden Sie Ihr Glaubensbekenntnis.
Das Glaubensbekenntnis dient in erster Linie dazu sich von anderen religiösen Strömungen zu trennen. Sie kann als Leitfaden dienen, oder aber auch als Begrüßungsformel. Mitglieder der Glaubensgemeinschaft können sich durch das Glaubensbekenntnis erkennen.
Mein Bekenntnis soll auf die Nichtigkeit dieser Welt abzielen:
Reden ist Schweigen, Silber ist Gold.
Darauf lässt sich meine gesamte Kernlehre zurückführen – da das Schicksal vorherbestimmt ist, ist alles Tun auf der Welt gegenstandslos.
Verwirrung und weite Auslegungsmöglichkeiten sind immer gern gesehen. Menschen lieben ominöse Paradoxien. Greifen Sie im Notfall Autoren auf, die kein Mensch kennt.
Die Distanz des Subjekts zum Objekt, Voraussetzung der Abstraktion des „reemtsma“, begründet sich in der Distanz des Potentials vom Zentrum, die der Herr durch transgressive Eingriffe im seelischen Nichts gewinnt, ohne dass die Niederlage Ausdruck einer Reflexionsbewältigung wird.
SCHRITT 4: Weiten Sie Ihr Mythos-Loch aus
Die größten Religionen besitzen schriftliche Zeugnisse. Schreiben Sie auch Ihre heilige Schrift. Der Inhalt muss nicht notwendigerweise ausgeklügelt sein. Es ist wichtig, dass Sie in Ihrem Werk viel Spielraum für Interpretationen lassen. Wiederholen Sie sich oft, benutzen Sie zahlreiche originelle Metaphern und fügen Sie einige mystische Elemente hinzu. Behalten Sie den Bezug zur Realität.
Genesis:
Die meisten Religionen leisten einen Beitrag um die Erschaffung der Welt zu erklären, also warum nicht Ihre?
Wenn Ihre Kreativität nachlässt, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Es ist super einfach, denn alle Geschichten über die Genese der Welt folgen einem ganz bestimmten Schema: „Zuerst gab es nichts und dann erschuf Gott sich selbst und die Welt“ – Ende. Ansonsten übernehmen Sie eine Zeugungsgeschichte von anderen Religionen, die Ihnen gefällt und wandeln Sie ein paar Worte ab.
Antagonisten und Gegenmächte:
Was hält Ihren Gott davon ab den Frieden auf Erden zu bringen?
Ein Antagonist, wie Satan im Christentum? Steht er sich aufgrund seiner dualen Natur von Gut und Böse sich selbst im Weg, wie bei einer dissoziativen Persönlichkeitsstörungen? Oder ist Ihr Gott ein weiteres männliches Chauvinistenschwein?
Gerne darf sich in der heiligen Schrift eine Erwähnung eines Antagonisten finden. Dieser kann eine beliebige Beziehung zu Ihrem Gott haben – oftmals sind sie Geschwister, Vater/Mutter und Kind oder alles zugleich.
Sonstiges:
Unabdingbar ist außerdem ein Überweisungskonto und eine Spendenwebsite.
SCHRITT 5: Verbreiten Sie nun Ihre Lehren.
Religion lässt sich erfahren, ähnlich wie ein Wellnessprodukt, daher lässt es sich vermarkten. Benutzen Sie Marketingstrategien: TikTok, Twitter und Instagram sind ihre besten Freunde. Agieren Sie klug, nutzen Sie die Macht von sozialen Medien.



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