Die wahren Mordfälle: Ehefrau, Mutter, radikale Islamistin

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Das ist die tragische Geschichte, einer deutschen Frau, die durch Staatsversagen, durch das Scheitern der Sicherheitsbehörden und der Religion des Friedens systematisch in die Hände des Terrors getrieben wurde. Es ist auch die Geschichte einer Familie, die durch eine bösartige Ideologie zerstört wurde. Es handelt sich hierbei um eine wahre Geschichte. Namen wurden abgeändert, um die Unschuldigen zu schützen.

Erfahren Sie alles über den Fall Katja Sulzbacher-Kamm.

Trigger Warning: Dieser Beitrag thematisiert sensible Inhalte und nutzt potentiell verstörende Sprache.


Katja Sulzbacher-Kamm war die perfekte Frau und die perfekte Mutter. „Sie war ein Engel. Hat ohne Widerworte alles gemacht. War für jeden da“, spricht Theo Kamm, ihr Ehemann seit 18 Jahren. Seitdem Katja nach Syrien ausgereist ist, um der Terrororganisation ISPK (Islamischer Staat Provinz Khorasan) beizutreten, ist nichts wie beim Alten. Aufgrund Theos emotionalem Leiden ist er erneut in seine Alkoholsucht gefallen.

Bei diesen schmerzhaften Erinnerungen schmettert Theo die Bierflasche, aus die er kurz zuvor getrunken hatte, lustlos gegen die Wand. Seine Töchter zucken zusammen. Die Wohnung wirkt verwahrlost. Bauschutt liegt auf dem Boden herum. Staub hat sich auf den Bilderrahmen und an den Regalen angesetzt. Eine beachtliche Sammlung an Liebesromanen ziert Katjas Leseschrank. „Unter dem Safranmond“, „Die Sklavin des Sultans“, „Amani – Rebellin des Sandes“, „Halbmond und Sonne: Eine Liebe im Islam“ – dies sind nur einige der vielen Buchtitel. Ob es sich dabei um Literatur mit islamistischen Botschaften handelt?

Auf die Frage hin, was denn die zwei Töchter (10 Jahre, 13 Jahre) über das Verschwinden der Mutter denken, wiegt Alica, die Jüngste, mit dem Oberkörper auf und ab. „Sie wohnt bei Tante Moni.“ Nur ihr liebevoller Vater kann seine Tochter mit gut gewählten Worten in die Realität zurückbringen. „Merkel ist Schuld und hat all diese verdammten Araber in unser Land geholt. Bestien. Alle gekommen, um unsere Frauen und Kinder zu klauen und zu begrapschen. Asoziales Pack. Erst letztens hat mir so ein Pasha den Job geklaut, obwohl er kein einziges Wort Deutsch sprechen konnte. Warum wehren sich die Deutschen nicht?“, ruft er immer lauter. Seine tröstenden Worte werden nur unterbrochen vom Weinen eines Kleinkindes, wahrscheinlich arabisch, irgendwo im Wohnblock. „Vermehren sich wie die Kanickel“, beginnt er wieder zu schimpfen. „Sie sollen zurück! Alles Radikale! Alle zurück mit denen!“ Nach 40 Minuten hat er sich wieder beruhigt, doppelt so lange als wenn Katja dagewesen wäre, um ihn zu beruhigen. Die Absenz der Mutter wird von jedem in der Wohnung deutlich gespürt.

Die Gründe für die Radikalisierung seiner Ehefrau scheinen für Theo Kamm klar: „Ihr Gehirn wurde von diesen Terroristen gewaschen. Ich will meine wunderschöne Katja zurück. Ich will meine alte Frau zurück.“ Aber es gibt auch eine andere Lesart: Katja soll sie ihm wiederholt den Vorschlag gemacht haben, zur Paartherapie zu gehen. Sie hatte auch über die Beziehungsprobleme zu ihrem Mann in ihr Tagebuch geschrieben. Nicht gesehen, habe sie sich gefühlt. Überfordert. Ist dieser drastische Schritt darauf zurückzuführen?

Doch mit diesen Tagebucheinträgen kommen auch immer mehr Schriften dazu, die deutlich ihre extremer werdenden Ansichten betonen. Fast wirr erscheinen ihre 300 Seiten langen Ausführungen über Khorasan, über Abenteuer und Romanzen inmitten von Sanddünen. Besonders bedenklich ist dabei ihre neugeschaffene Identität mit dem Namen Sumaya, die sich in den extremistischen Rebellen Rian verliert. Über ihn schreibt Katja:

Einen Hautton wie gepresste Oliven besaß er, ein Saffariden-Kämpfer ohne Beispiel. Seine Muskeln glänzten im Sonnenlicht. Drahtig und kräftig war er, aber noch stärker war er in seinem Glauben.

Löwe und Wüstenrose, S. 21

Gewalt gegenüber Frauen ähnlich wie im gegenwärtigen Taliban-Regime ziehen sich von Seite zu Seite.

Er riss ihr das verhasste Kleid vom Leibe. Da stand sie vor ihm, die schwierigste Glaubensprobe, die ihm Gott jemals gesandt hatte. Sumayas überirdische Schönheit stellte seine Gelübte der Keuschheit infrage. Zorn loderte in ihm auf wie Flammen… oder war es etwas anderes?

Löwe und Wüstenrose, S. 104

An einer anderen Stelle heißt es:

Er schwung seinen Krummschwert ohne Gnade. Als hätte Allah Gnade für die erbärmliche Existenz, dauerte es nur wenige Sekunden bis das Herz des alkoholisierten Peinigers seiner geliebten Sumaya für immer stehen blieb. Um seine Liebe zu retten, war er bereit ganze Horden von Ghaznawiden abzuschlachten.

Löwe und Wüsenrose, S. 226-227

Der terroristische Subtext ist mehr als deutlich, findet auch Theo. Für Katja gibt es nicht viel Hoffnung. Ein WhatsApp Statusbericht zeigt sie, wie sie den Mittelfinger (eine Abwandlung des Tauhid-Fingers, welcher als Erkennungszeichen für Salafisten dient) in die Kamera hält, während sie einen Cocktail in ihrer anderen Hand hält. Da sie kein Kopftuch trägt, müssen die Ermittler vom Schlimmsten ausgehen, denn das Abweichen von der Scharia wird im IS insbesondere von Frauen mit dem Tod bestraft.

Auf unsere journalistischen Anfragen bezüglich des Verbleibs einer deutschstämmigen „Sumaya“ hat der Islamische Staat Provinz Khorasan nicht reagiert. Die ISPK gilt trotz des jüngsten Machtwechsels in Syrien mit stabilisierenden Folgen als Pulverfass des internationalen Terrorismus. Ob Sumaya Sulzbacher-Kamm noch lebt oder vielleicht sogar ihren Habibi gefunden hat, kann nur ihr nächster WhatsApp Status verraten. Selbst wenn Sie nach Deutschland zurückkehren würde, müsse sie sich der Justiz stellen, denn die Unterstützung von Terrororganisationen ist gesetzlich verboten.

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